Berlinrundfahrt - Oberbaumbrücke


6. Berliner Stadtrundfahrt am 14.10.2007

     Impressionen


Boote einsetzen
7:50 Uhr Boote einsetzen gegenüber der Abtei-Insel


Die Berlinrundfahrt ist in mehrfacher Hinsicht etwas Aussergewöhnliches: sie führt einmal im Jahr durch das für Paddler normalerweise gesperrte Zentrum von Berlin. Es ist nur eine konsequent begrenzte Anzahl von Teilnehmern zugelassen und eine Teilnahme ist nur nach erfolgter Anmeldung und abschließender Bestätigung möglich. Sie ist 28 km lang und ein Aussteigen ist nur an wenigen Stellen möglich. Desweiteren gibt es diverse Sicherheitsvorschriften: z. B. die Pflicht zum Tragen einer Schwimmweste, alle Boote müssen rund herum mit einer Fangleine ausgerüstet sein, das vorausfahrende Motorboot darf nicht überholt werden und ein Rückfallen hinter das am Schluss fahrende Motorboot ist nicht erlaubt. Aber während der Fahrt mussten wir feststellen , dass diese Vorschriften sinnvoll sind und das Vergnügen auf dieser Fahrt in keinster Weise beeinträchtigen. Eine Teilnahme ist in jedem Fall lohnenswert.





Start Abteiinsel
Kurz nach 8 Uhr auf der Spree

Start und Ziel dieser Fahrt ist an der Abtei-Insel direkt an der Spree. Wenn man wie wir aus dem Süden kommt, fährt man vom Schönefelder Kreuz die ehemalige "DDR-Einflugschneise" immer in Richtung Zentrum bis zum Treptower Park. Dort muss man zwangsläufig links abbiegen in die Bulgarische Strasse und sollte dann nach wenigen hundert Metern geradeaus auf den geräumigen Parkplatz direkt an der Spree fahren. Ein Linksabbiegen (Hauptstraße) hat wegen der Einbahnstraßen eine große Runde um den gesamten Treptower Park (immer links rum) zur Folge, um wieder an diesen verpassten Parkplatz zu kommen (wir haben es durch!).

Bei unserer Teilnahme am 14.10.07 gab es auf dem Parkplatz keine Probleme und zum Wasser ist es nur ein Katzensprung. Insgesamt nahmen 99 Boote an dieser Fahrt teil. Das Einsetzen am relativ hohen "Steilufer" ist ungewohnt. Bis auf zwei Teilnehmer, die beim Einsteigen gleich wieder auf der Wasserseite unvorsichtigerweise "ausstiegen", lief alles glatt.

Molecule Man
Molecule Man



Punkt 8 Uhr müssen alle Boote auf dem Wasser sein und ganz pünktlich geht die Fahrt los. Es ist noch leicht dunstig, aber sonnig. Spreeabwärts geht es zunächst durch die Eisenbahn- und Straßenbrücke "An den Treptowers". Gleich dahinter begrüßt uns linkerhand der "Molecule Man". Dieses Monumentalkunstwerk wurde 1998/1999 vom amerikanischen Bildhauer Jonathan Borofsky aufgebaut. Es handelt sich dabei um drei 30 Meter hohe Aluminium-Männer, die sich gegenüberstehen und sich in der Mitte treffen. Das 45 Tonnen schwere Kunstwerk soll das Zusammentreffen der drei Berliner Stadtbezirke Treptow, Kreuzberg und Friedrichshain symbolisieren. Die Löcher in den Figuren sollen die Moleküle darstellen, aus denen sie bestehen - im Volksmund deshalb auch "Dreikäsehoch" genannt.

Kurz vor der beeindruckenden Oberbaumbrücke geht es dann (entgegen der sonstigen Richtung der Rundfahrt) links ab zur Oberschleuse. Alle Teilnehmer konnten in einem Schleusengang umgesetzt werden und vor uns liegen ca. 10 km Landwehrkanal. Dieser bekannte Kanal wurde 1845-1850 gebaut und zweimal (1883-1890 und 1936-1941) umgebaut und erweitert. Er führt durch die Stadtbezirke Kreuzberg, Neukölln, Tiergarten und Charlottenburg. Über die Jahre wurden einige Teile der Uferbefestigung durch Wellenschlag von auf dem Kanal fahrenden Fahrzeugen unterspült, so dass es 2007 zu einem Absacken der Ufermauer an einer Schiffsanlegestelle kam. Heftig umstrittene Sanierungsmassnahmen durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin, die auch Baumfällungen und eine Sperrung des Kanals für den Schiffsverkehr beinhalteten, lösten eine Bürgerinitiative aus. Ein Mediationsverfahren wurde eingeleitet.






Das Paddeln auf dem Landwehrkanal ist angenehm und wir durchfahren bis zur zweiten Schleuse über 20 Brücken:

Landwehrkanal - Lichtensteinbrücke
Landwehrkanal - Lichtensteinbrücke

Für die Verkehrsteilnehmer an Land:
Schleusenbrücke, Heilmann-Steg, Wiener Brücke, Thielen Brücke, Hobrecht Brücke, Kottbusser Brücke, Admiralbrücke, Baerwald Brücke, Waterloobrücke, Zossener Brücke, Hallesches-Tor-Brücke, Mehringbrücke, Großbeerenbrücke, Möckernbrücke, Anhalter Steg, Schöneberger Brücke, Köthener Brücke, Marshall-Brücke, Palast-Brücke, Bendlerbrücke, Hiroshima-Steg, Herkules-Brücke, Corneliusbrücke, Lichtensteinbrücke

Wir durchpaddeln mitten in Berlin Natur und Wohngebiete. Wir passieren u. a. das Deutsche Technikmuseum, die neue Nationalgalerie, das Gebäude der CDU-Zentrale und diverse Bürohochhäuser bekannter Unternehmen.

Bevor wir die Unterschleuse erreichen, durchfahren wir die Lichtensteinbrücke. An dieser Stelle wurde 1919 die ermordete Rosa Luxemburg in den Landwehrkanal geworfen. Ein 1987 erschaffenes Denkmal in Form einer schräg in den Kanal ragenden Platte erinnert daran.

Bodemuseum
Spree - Bodemuseum und Fernsehturm


Die kleine Unterschleuse, knapp 2 km vor Ende des Landwehrkanals, bringt die 99 Boote in zwei Etappen auf die andere Seite. Hier erwarten uns noch einmal einige Brücken und wir erreichen den nördlichsten Punkt unserer Berlinrundfahrt: das Spreekreuz. Hier geht es rechts ab und wir durchpaddeln spreeaufwärts das absolute Zentrum von Berlin, den Spreebogen - interessant und beeindruckend. So passieren wir u. a. die Kongress-Halle Berlin, das Bundeskanzleramt, den neuen Berliner Hauptbahnhof, den Reichstag, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Wir "unterpaddeln" die Friedrichstraße und erreichen die Museumsinsel mit der beeindruckenden Kuppel des Bodemuseums. Schließlich fahren wir am Berliner Dom vorbei und paddeln ganz nah am Fernsehturm und an der riesigen Rückbaustelle des "Palast der Republik", der 1976 eingeweiht und auf Mehrheitsbeschluss des Deutschen Bundestages seit Februar 2006 rückgebaut wird. Dabei sind ca. 78.000 t zu bewegen.

Übrigens: Ein Großteil der über 19.000 t Stahl werden per Schiff nach Roßlau (unsere Heimatstadt) gebracht und hier im Hafen mit der zweitgrößten Schrottschere Europas zerkleinert.


Oberbaumbrücke
Oberbaumbrücke


Kurz nach diesen Höhepunkten im Zentrum von Berlin erreichen wir die dritte und letzte Schleuse - die Mühlendammschleuse. Nach dem Schleusen geht es relativ unspektakulär weiter, bald sehen wir bereits die imposante Oberbaumbrücke, die wir jetzt durchfahren. Die Brücke verbindet die beiden Ortsteile Kreuzberg und Friedrichshain und ist heute das Wahrzeichen des Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain. Die neugotische Brücke, die 1894-1896 erbaut, 1945 zerstört und nach der Wiedervereinigung saniert wurde, besteht aus zwei Geschossen: auf der oberen Ebene befinden sich Bahngleise, unten läuft der Straßenverkehr. Die zwei 34 m hohen Türme sind dem Mitteltorturm der Prenzlauer Stadtmauer nachempfunden.

Die letzten Kilometer bis zum Ziel sind bereits bekannt und so nutzen einige Paddler den Rest der Strecke zum "Austoben". Schließlich ist eine Massenanladung immer etwas problematisch, also wird gespurtet was das Zeug hergibt. Auch wir spurten mit, denn wir wollen nun nach etlichen Stunden Paddelei mit einer einzigen Aussteigepause auch raus aus dem Boot.

Am Ziel erwartet uns schon an einem kleinen Tisch Sportfreundin Liselotte Schindler - Mitorganisatorin der Berlinrundfahrt und Besatzungsmitglied des vorausfahrenden Begleitbootes - zum Abstempeln der Fahrtenbücher und dem einen oder anderen kleinen Plausch.

Wertung: empfehlenswert.



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