Übersichtskarte Ostsee-Touren
    Ostsee-Tages-Tour 2: Glowe - Kreideküste - Saßnitz (Rügen)     Fotogalerie


Rügen - Kreideküste
Ostsee - Rügen - Kreideküste

Rügen kennen Petra und ich schon ewig, als Paddelgebiet ist es für uns Neuland. Auf unsere Frage nach Einsetz- und Anlandestellen bekommen wir von den Stralsunder Kanuten nur sehr "stiefmütterliche" Informationen. Sie haben wohl nicht daran gedacht, dass wir uns hier nicht auskennen und wirklich ihre Hilfe brauchen. So sind wir neben ein paar Ratschlägen der Ruderer auf uns allein gestellt. Also legen wir einen Tag ohne Boot ein und erkunden die Gegebenheiten. Wir wollen die Kreideküste entlang paddeln und sichten zunächst Saßnitz. Am großen Parkplatz am Hafen selbst ist mit dem Paddelboot schlecht anzulanden. Ca. 600 m nördlich ist eine günstige Stelle, aber keine PKW-Zufahrt. Trotzdem soll es diese kleine Kiesbank werden.

Einsetzen am Strand von Glowe (+)
Einsetzen am Strand von Glowe - im Hintergrund Kap Arkona (+)


Wir suchen eine passende Einsetzstelle und fahren nach Lohme: nach dem Abrutschen der Steilküste im Jahr 2005 ist der Zugang zum Yachthafen völlig gesperrt. So fahren wir weiter nach Glowe: hier ist es günstig. Ein Parkplatz für einen moderaten Tagespreis direkt neben dem Hotel Ostseeperle und nur wenige Meter bis zum Strand mit wunderschönem Blick auf Kap Arkona. Die Strecke bis Saßnitz ist nicht zu lang (ca. 26 km), und zum Erholen, Genießen und Fotografieren soll genug Zeit bleiben. Also zurück nach Stralsund und packen.

Am 04.07.2009 geht es früh los nach Glowe. Der Parkplatz ist ebenso wie der Strand noch recht leer. Schnell liegt das Boot am Strand. Das Wetter ist erstklassig. Kap Arkona leuchtet von weitem herüber. Die ersten Kilometer sind ein Traum: teilweise spiegelglatte Ostsee, gute Sicht und erholsame Ruhe. Teilweise gehen Meer und Himmel am Horizont ineinander über. Nach 10 km erreichen wir Lohme und können nun von der Ostsee aus das ganze Ausmaß des Steilküstenabbruchs sehen. Es sieht teilweise noch recht wüst aus. Das Wasser im Hafen stinkt fürchterlich. Trotzdem machen wir eine kleine Pause, weil wir vor Saßnitz das Boot nicht mehr verlassen können. Wir sind froh, als wir wieder auf der freien Ostsee sind.

Auf der Ostsee nordöstlich von Rügen
Nordöstlich von Rügen - Meer und Horizont gehen ineinander über (+)


Eine kleine Gruppe Schwäne fliegt vorbei, etwas weiter draußen überholt uns ein Kutter. Wir befinden uns jetzt im Küstenbebiet des "Nationalpark Jasmund". Er ist nur ca. 3000 ha groß und damit einer der kleinsten Nationalparks Deutschlands. Wir passieren die ersten Kreidefelsen - die Stubbenkammer. Wir können uns am wohl berühmtesten und beeindruckenden 118 m hohen Königsstuhl kaum satt sehen. Auf einem kleinen Felsvorsprung entdecken wir den kleinen Leuchtturm Kollicker Ort.

Jetzt ist nur nur entspannen, gucken und ab und zu mal paddeln angesagt. Das gesamte Ufer ist eine wünderschöne Kreidefelsenküste. Die Formationen ähneln sich, sind aber bei genauer Beobachtung immer neu und interessant anzusehen. Es ist eine der interessantesten deutschen Küstenlandschaften. Entstanden sind diese Felsen vor mehr als 50 Millionen Jahren (manche Quellen reden sogar von mehr als 70-100 Millionen Jahre) aus kalkhaltigen Schalen, Skeletten und Panzern von Kleinlebewesen. Auf Grund der Reinheit der Kreide stellt diese neben dem Tourismus einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Dabei wird die Kreide natürlich nicht an den Kreidefelsen im Küstengebiet, sondern im Inneren der Insel abgebaut. Bereits 1845 ging in Saßnitz die erste Schlemmkreidefabrik in Betrieb. Heute gehört die westlich von Saßnitz in Klementelwitz liegende Kreidewerk Rügen GmbH zur Vereinigte Kreidewerke Dammann KG.

Ostsee - Rügen - Wissower Klinken
Uferabbrüche an den Wissower Klinken (+)


Einige Kilometer weiter erreichen wir das Gebiet der berühmten Wissower Klinken. Sie sind durch den Maler Caspar David Friedrich weltbekannt geworden. Allerdings konnten die Wissower Klinken nicht die Vorlage für das Bild "Kreidefelsen auf Rügen" (1818) sein, da diese zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes noch gar nicht existierten. Das Bild von C. D. Friedrich zeigt einen Blick auf die Kreidefelsen in der Nähe der Stubbenkammer.

Seit 24.02.2005 gibt es die Wissower Klinken in der bekannten Art nicht mehr, es lösten sich zwei der ca. 20 m hohen Felsen und rutschten ab. Dabei wurden ca. 50.000 Kubikmeter Kreide in die Ostsee gerissen. Hierdurch hat sich das bekannte Bild dieses Küstenabschnittes stark verändert.

Kurz vor Saßnitz erreichen wir die letzte bekannte Felsformation: den "Hengst". Mit viel Fantasie erklärt mir Petra das "Bild", mir ist es zu abstrakt. Auf der Ostsee kämpft mittlerweile einer der Traditionssegler mit der Windstille, die Küstenwache quert unsere Route und schon sind wir am vorher erkundeten Kiesstrand. Wir steigen zufrieden und erholt aus und legen das Boot auf die Wiese oberhalb des Standes. Ich mache mich auf den Weg, ein Taxi zu organisieren, um nach Glowe zu fahren und unser Auto abzuholen. Leider haben wir keine Mitpaddler finden können, um das Erlebnis mit anderen Naturfreunden zu teilen und den Bootstransport effektiver gestalten zu können.

Saßnitz - Cafe Gumpfert
Saßnitz/Rügen im Cafe Gumpfert (+)


Knapp 1,5 Std. später steht unser Auto auf dem Parkplatz am Hafen von Saßnitz. Zwischen Parkplatz und Gastronomiezeile macht auf der Rasenfläche die Jugendbigbad eines Gymnasiums tüchtig Stimmung. Der leichte 600 m Dauerlauf zu Petra und dem Boot tut gut. Das Boot wird auf dem Bootswagen aufgeschnallt und wir laufen gemeinsam mit unserem Zweier über Kurplatz und Strandpromenade zu unserem Auto. Die Leute an den Kaffeetischen freuen sich, wir auch!

Nach dem Aufschnallen gehen wir sofort zum Café Gumpfert (sehr empfehlenswert!) und genießen bei bestem Wetter, bester Laune und bester Sicht auf die Ostsee einen hervorragenden Kaffee und ein leckeres Stück Sanddorntorte.

Fazit:
Bei gutem Wetter und passender Ausrüstung ist diese Tour mehr als empfehlenswert !!!

Frühes Starten ist angebracht, damit die Sonnen die Kreidefelsen gut beleuchtet, am Nachmittag ist alles nur noch halb so spektakulär.

Übrigens:
Vom Saßnitzer Hafen fahren regelmäßig kleine Ausflugsschiffe zu den sehenswerten Kreidefelsen. Dabei werden über Lautsprecher auch viele interessante Informationen gegeben.
(Auch hier: am besten bei Sonnenschein und vormittags)


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