Übersichtskarte Ostsee-Touren
      Ostsee-Tages-Tour 1: Stralsund - Hiddensee - Stralsund         Fotogalerie


Stresasund mit blick auf Schaproder Bodden
Ostsee: Strelasund / Schaproder Bodden zwischen Hiddensee und Rügen


Nachdem Petra und ich im Juni 2009 bei der 19. Poelrundfahrt erstmals auf der Ostsee gepaddelt sind, wollten wir mehr Ostsee erleben. Die Vorbereitungen waren kurz aber intensiv und so machen wir uns am 01.07.2009 auf den Weg nach Stralsund. Da wir von der MMMM bereits einige Leute vom Stralsunder Kanu Cub (SKC) kennen, wollen wir dort für wenige Tage unser Zelt aufstellen und auf gutes Wetter hoffen.

Bootssteg Stralsunder Kanu Club
Am- Bootssteg des Sralsunder Kanu Club im Strelasund (+)


Schnell haben wir in Stralsund das Bootshausgelände gefunden. Das Bootshaus, was die beiden Wassersportvereine "Stralsunder Ruder Club e. V." und "Stralsunder Kanu Club e. V." gemeinsam betreiben, liegt direkt am Strelasund mit Blick auf die Insel Rügen. Zwei Dinge sind für uns leicht gewöhnungsbedürftig: die Kanuten sind freundlich aber im Gegensatz zu den Sachsen an der Elbe "nordisch" distanziert und die sanitären Anlagen für Gäste in einem Container sind keinerlei Erwähnung wert. Gut, dass da noch die Ruderer sind, von denen wir einen Schlüssel zum Vereinsgelände bekommen, um unser Fahrzeug sicher zu parken und die uns einige Fragen an der großen Rügen-Karte beantworten. Es macht sich jetzt doppelt bezahlt, dass wir uns im Vorfeld vorbereitet haben.

Neben dem Paddelmaterial und der persönlichen Fitness für kleine Ostseetouren (alles Wissenswerte dazu unter www.salzwasserunion.de) ist das Wichtigste unsere Karte: wir benutzen den Jübermann "Touren Atlas Nr. 6" - Mecklenburg-Vorpommern mit Ostseeküste und Bodden. Da wir die erste Tour im Gebiet des "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft" und die zweite Tour im Gebiet des "Nationalpark Jasmund" geplant haben, ist die Investition in gutes Kartenmaterial gut angelegtes Geld. Ein Verstoß gegen die Befahrungsregeln würde sehr viel teurer werden.

Barhöft
Rast am Strand von Barhöft - gegenüber die Insel "Bock" (+)


Das Wetter spielt mit. Am 02.07.2009 machen wir uns auf die erste Tour: Stralsund, Barhöft, Gellenstrom, Hiddensee (Neuendorf) und zurück über den Schaproder Bodden nach Stralsund. Der gepflegte Bootssteg des SKC macht das Packen und Einsteigen leicht. Wir paddeln zunächst nordwestlich durch den Strelasund, der die Insel Rügen vom Festland trennt. Nach ca. zwei km passieren wir die gelbe Tonne "Trendel W" und erreichen bei fantastisch entspannender Fahrt nach weiteren ca. 8 km die Tonne 41, unsere erste große Seetonne. Von hier ab ist unser Weg vorgegeben: Nordwest, immer den Tonnen nach. Rechts der Tonnenmarkierung befindet sich das für jegliche Boote gesperrte, sehr flache und oft kontrollierte Vogelschutzgebiet. Nach Norden haben wir einen wunderschönen Blick auf den Schaproder Bodden, auf dem sich einzelne Segler vergnügen. Die relativ schmale Strecke zwischen den Tonnen ist viel befahren, entsprechend aufgewühlt ist das von Schaumspuren durchzogene Wasser.

An der Tonne 32 beschließen wir, nach rechts Richtung Barhöft zu einer kurzen Rast abzubiegen. Das Wasser wird sehr flach, da wir nicht den "offiziellen" Fahrweg nutzen, aber bei unserem geringen Tiefgang erreichen wir den herrlichen Sandstrand neben dem Yachthafen Barhöft. Das Wasser ist sehr sauber und warm, die Sicht ist ausgezeichnet. Nach 20 Minuten Rast --> und diese Rast sollte man einlegen, da das nächste Anladen erst an der Westküste von Hiddensee nordöstlich der Tonne 12 möglich ist <-- geht es weiter. Wir paddeln Richtung Nordost (Barhöftrinne/Gellenstrom) in einem weiten Linksbogen entlang der Tonnen 30 bis 20. Die Strecke darf weder nach links (Insel Bock) noch nach rechts (Vogelschutzgebiet) verlassen werden.

Der Bock - Gellenstrom - Hiddensee
Links "Der Bock" - Mitte Gellenstrom/Ostsee - Rechts Hiddensee (+)


Übrigens: "Der Bock" ist eine künstliche Insel, die durch Aufspühlung von Sand aus dem Gellenstrom, dem Fahrwasser in den Strelasund und nach Stralsund, entstanden ist. Zu DDR-Zeiten militärisch und durch die Staatssicherheit genutzt, ist die Insel heute wieder unbewohnt und gehört vollständig zum "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft".

Die Halbinsel Gellen - die Südspitze der Insel Hiddensee - kommt immer näher. An der Tonne 22 mache ich mein vorerst letztes Foto. Wir erreichen den Gellenstrom und paddeln durch die "Enge" zwischen Hiddensee und Bock hindurch. Der Wind kommt von vorn, drückt in den Bodden und wühlt die Ostsee recht ordentlich auf. Zusätzlich kommt uns noch ein Boot der Küstenwache entgegen, das uns aber freundlicherweise stark abgebremst passiert. Bei jeder zweiten Welle wird Petra "überspühlt" und sie fragt aufgeregt, ob wir hier wohl wirklich lang wollen? Aber umkehren ist hier nicht mehr sinnvoll und möglich. An der Tonne 18 hole ich den Fotoapperat wieder raus. Es wird zunehmend ruhiger. Es ist ein echtes Erlebnis und Angst hatten wir bisher zu keiner Zeit gehabt. Hier zu paddeln ist die pure Freude. Links die offene Ostsee, rechts die Insel Hiddensee. Kurz hinter der Tonne 12 können wir "offiziell" wieder näher an die Insel heran paddeln, obwohl es uns hier draußen höllischen Spaß macht.

Ostsee pur westlich von Hiddensee
Ostsee pur westlich von Hiddensee (+)


Die Insel Hiddensee mit knapp über 1000 Einwohnern ist ca. 17 km lang. An der schmalsten Stelle 250 m und an der breitesten Stelle knapp 4 km breit. Sie liegt vollständig im "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft". Privater KFZ-Verkehr ist auf der gesamten Insel untersagt. Zu erreichen ist Hiddensee mit Personenfähren von Stralsund oder Schaprode. Der südliche Teil der Insel, die Halbinsel Gellen, steht völlig unter Naturschutz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich (bedeutendes Vogelschutzgebiet). Das Wahrzeichen der Insel ist der im Norden stehende Leuchtturm Dornbusch, den man über 102 Stufen besteigen kann. Die Gemeinde Hiddensee hat 4 Ortsteile: Grieben, der nördlichste und kleinste Ortsteil, den Ortsteil Kloster mit dem Institut für Ökologie der Universität Greifswald, den Ortsteil Vitte als größter und zentraler Hauptort der Insel und den südlichsten Ortsteil Neuendorf. Auf Hiddensee wohnten viele bekannte Persönlichkeiten oder hielten sich oft hier auf. So u. a. Albert Einstein, Hans Fallada, Walter Felsenstein, Gerhard Hauptmann, Käthe Kollwitz, Käthe Kruse, Gret Palucca oder Joachim Ringelnatz.

(FKK) Weststrand Hiddensee bei Neuendorf
Weststrand von Hiddensee bei Neuendorf (+)


In Neuendorf wollen wir umsetzen. Zweimal Aussteigen und Sichten der Transportmöglichkeiten ergeben nur reine Sandwege, für unser Boot mit Bootswagen ungeeignet. Der dritte Versuch klappt: wir landen direkt am Rettungsturm des FFK-Strandes an. Der Bootswagen wird montiert und das Boot einige Meter bis zum Rettungsturm die Düne hinaufgetragen. Hier wird der Bootswagen angelegt und die Tour quer über Hiddensee zum Neuendorfer Hafen am Schaproder Bodden (ca. 1 km) kann starten. Uns begegnen viele Radfahrer. Alles geht viel leichter als wir dachten.

Der Hafen von Neustadt selbst ist zum Einsetzen für Paddler völlig ungeeignet, da die Kaimauern viel zu hoch sind. Wir stärken uns zunächst mit einem frischen Fischbrötchen und finden dann 50 m nördlich vom Hafen eine sehr günstige Einsetzstelle.

Die Rückfahrt über den Schaproder Bodden beginnt mit einer Abkürzung nach Südost. Das hätten wir lieber lassen sollen, denn das Wasser wird entrem flach, und das Paddeln stengt sehr an. Also: erst einmal direkt nach Osten Richtung Schaprode bis zu zur Tonne 30 und dann immer den Tonnen nach in Richtung Süden - rechts und links neben den Markierungen kann es empfindlich flach werden. Die Strecke ist viel "länger", als wir denken.

Vor Stralsund
"Kurz" vor Stralsund mit Rügenbrücke und Volkswerfthalle (+)


Ab und zu begegnen uns Fährschiffe. Links will die zu Rügen gehörende Insel Umanz gar nicht enden und als wir die Schiffsbauhalle der Volkswerft das erste Mal in der Ferne entdecken, schwant uns, was da noch vor uns liegt. Zum Glück ist das Wetter fantastisch und das bisher Erlebte gibt uns den nötigen Antrieb zum Weiterpaddeln.

Als wir am Bootsteg des SKC anlegen, wird es auch Zeit zum Aussteigen. Da Petra etwas geschafft ist, hilft mir ein freundlicher Engländer, der sich mit zwei jungen Damen auf dem Bootssteg tummelt, beim Herausnehmen des Bootes und beim "Aufladen" auf den Bootswagen. Den Rest bis zur Zeltwiese schaffe ich allein.

Die Tour war ein einmalig schönes Erlebnis. Entspannend und anstrendend zugleich.


Fazit: wenn Ausrüstung und Wetter passen, dann in jedem Fall zu empfehlen.


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