Bereits zum 16. Mal trafen sich Paddler in Meißen zur großen "Schindertour", denn dieser Marathon macht seinem Namen alle Ehre:

Meissen-
Magdeburger-
Mammut-
Marathon

Als Organisatoren stehen die zwei DOM-Stadt-Vereine:

Sportgemeinschaft
Kanu-Meißen e. V.

und

Kanu Klub Börde
Magdeburg e. V.

Den Veranstaltern ist an dieser Stelle wieder (wie immer) ein großes Lob auszusprechen für die hervorragende Organisation sowie die vorbildliche Begleitung und Betreuung der Kanuten während der 243 zu paddelnden Kilometer.


    Der 16. MMMM am 10.+11.06.2006  

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Impressionen vom 16. MMMM 2006

Fotos
Fotos


von Dom

zu Dom


Einweisung
Fahrtenbesprechnung
Bereits am Freitag (09.06.2006) trafen am Nachmittag die ersten Kanuten in Meißen am Bootshaus ein. Petra und ich nahmen an diesem Event bereits zum 4. Mal teil: Petra ist den MMMM bereits 2 x und ich 3 x komplett durchgefahren. Diesmal allerdings mussten wir von den 243 km ein Teilstück von 58 km aus organisatorischen Gründen weglassen. Insgesamt waren in diesem Jahr 33 Kanuten voller Zuversicht, den MMMM erfolgreich zu absolvieren, denn die äusseren Bedingungen waren einmalig: relativ hoher Wasserstand und damit eine gute Fließgeschwindigkeit der Elbe, sonniges Wetter und vor allem der "richtige" Wind: leicht von NO über O bis SO. Am Freitagabend, nach dem sich alle Teilnehmer registriert hatten und mit der Vorbereitung der Nachtlager fertig waren, wurde durch den Fahrtenleiter, dem Sportfreund Bernd Haberland vom KK Börde, die Fahrteneinweisung durchgeführt (Berufsschifffahrt, Fährbetrieb, Naturschutz, wichtige Rufnummern u. ä.). Nach einem einmaligen Sonnenuntergang, bei dem die dunklen Umrisse des Meißner Doms neben einer "glühenden" Elbe zu sehen war, ging es spfort zur Nachtruhe. Selbst der Sound- und Lichtcheck der Großbühne neben dem Bootshaus waren noch erträglich, weil die Hauptveranstaltung erst am nächsten Tag stattfand.


Kurz nach 4 Uhr waren die ersten Frühaufsteher im Waschraum und kurz nach 5 Uhr setzten die ersten Boote ein. Um 6 Uhr waren die Letzten auf dem Wasser. Danach setzte sich die offizielle "Begleitmanschaft" in Bewegung, die in diesem Jahr aus den Sportfreunden Christel Rosseburg, Nobert Rupp und dem "Teamarzt" Dr. Volkmar Leipner bestand. Dazu gesellten sich einige "inoffizielle" Begleit-Sportfreunde, um die Marathonis anzufeuern und an den festgelegten Punkten Mut zuzusprechen. Der erste Kontrollpunkt war in Riesa, der zweite in Belgern und der dritte bei der "Mittagspause" in Torgau. Hier auch ein großer Dank an die Torgauer Sportfreunde. Ab dem vierten Kontrollpunkt in Dommitzsch wurde es für alle Kanuten dann langsam härter, denn immerhin hatten wir bereits über 90 km hinter uns und noch knapp 30 km vor uns. Inzwischen waren auch einige kleine Probleme aufgetreten: so ging bei einem Zweier die integrierte Steueranlage defekt (konnte repariert werden), an einem anderen Zweier brach sogar ein Steuer ab (die Kanuten fuhren ohne Steuer weiter). Außerdem kenterte an der Fähre Dommitzsch-Prettin ein nicht zu uns gehörender Canadier, der unter anderem auch ein Fahrrad geladen hatte. Inzwischen ließen die Kräfte ein wenig nach, dafür nahm der Schiffsverkehr und der Sportbootbetrieb zu. Die dadurch aufgewühlte Elbe brachte dabei so manchen Paddler zusätzlich ins Schwitzen, da die Wellen ungewöhlich hoch waren und die Paddelboote von allen Seiten in Bewegung setzen, die ein Kanute eigentlich sehr gern hat, aber nicht nach fast 100 km in den Armen und den Sitzmuskeln.

Gegen 16 Uhr trafen die Ersten nach 120 gepaddelten km in Elster ein. Nach dem Duschen begann die kurze Entspannungsphase, denn am Folgetag ging es für die meisten MMMM-Teilnehmer auf die nächsten 123 km. Nachdem ich die ersten 120 km im Einer absolvierte, setzten Petra und ich am zweiten Tag mit dem Zweier an unserem Bootshaus in Roßlau ein, um die letzten 66 km bis zum Bootshaus des KK Börde zu paddeln.

Elbe bei km 280-285
Die Elbe bei km 280-285 - Biosphärenreservat
Am zweiten Tag war der erste Kontrollpunkt in Coswig und der zweite in Aken, wo auch die Mittagsverpflegung stattfand. Auch hier einen besonderen Dank an die Sportfreunde vom Köthener Kanu-Club, die kurzfristig für die Wassersportfreunde Rodleben eingesprungen sind und die Betreuung der Teilnehmer des MMMM übernahmen. Nach Aken waren noch 50 km zu paddeln, die schwersten des MMMM. Der Schiffsverkehr war normal, bis auf das Fahrgastschiff MS Fluvius, welches wegen dem enormen Tiefgang und derm starken Motor die Teilnehmer in den Zustand einer "Brandungsfahrt" versetzte.

Zunehmend wurde es auch wärmer und die Sonne brannte unerbittlich. Ab Schönebeck machten dann auch noch viele Motorboot- und JetSki-Fahrer die Elbe wild. Bei km 323 hatte die Quälerei ein Ende.

Gegen 16 Uhr wurden die ersten Kanuten am Bootshaus des KK Börde gebührend empfangen. Nach und nach trudelten die Teilnehmer des MMMM ein. Eine Dusche, ein Stück Kuchen und ein Kaffee ließen ganz schnell die Kräfte wieder wachsen. Allerdings werden Muskel- und Sehnenschmerzen an den nächsten Tagen noch oft an dieses einmalige Ereignis erinnern. Danach bleiben die vielen schönen Begegnungen mit Gleichgesinnten im Gedächtnis und natürlich die "Teilnehmerüberraschung": die kleine, signierte digitale Uhr für alle Teilnehmer des 16. MMMM.




Und für diejenigen, die den "offiziellen Teil" geschafft haben:

Hier noch mein ganz "persönlicher Bericht" vom 16. MMMM 2006. Viel Spass beim Lesen.



Merlin


Mein persönlicher Erinnerungs-Bericht
vom 16. MMMM 2006


Dieser kleine Bericht hat es in sich: als ich fast fertig war, brachte mein PC einen "Hitzebluescreen" - und was ich allen PC-Usern immer wieder klarmache: Zwischenspeichern !!!!!!, habe ich natürlich "vergessen". Also von vorn, solange die Eindrücke noch da sind. In 2-3 Monaten verschwimmen die Qualen und alles war nur schön - so soll es ja auch sein. Aber hier will ich die zeitnahen Erlebnisse einmal niederschreiben.

Als Petra und ich am Donnerstag, den 08.06.2006 den Wetterbericht sehen, steht ziemlich schnell fest: MMMM am Wochenende. Nach 1997, 1999 und 2000 zum vierten Mal. Da die Transportfrage recht schwierig ist, entschieden wir uns dafür, dass ich die erste Etappe von Meißen bis Elster im Einer fahre und Petra sich dem Begleitzug anschließen sollte. Der zweite Tag sollte dann im Zweier absolviert werden. Also geht es am Freitag Nachmittag mit Auto, Zeltausrüstung und "Merlin" nach Meißen, eine recht kurzweilige Fahrt, da im Radio das FIFA-WM-Eröffnungsspiel läuft, welches Deutschland gegen Costa Rico 4:2 gewinnt.

In Meißen angekommen gibt es erst einmal ein großes Hallo, da wir etliche der Sportfreunde aus früheren Veranstaltungen kennen. Dann kommt das Zelt aufbauen. Als Norbert vom KK Börde mich erschöpft an der Luftmatratze blasen sieht, hat er ein Einsehen und kommt mit dem Aufblasgerät zu Hilfe. Das spart Zeit und ich kann noch einige Schnappschüsse auf den Chip bannen. Als ich einen mir unbekannten Sportfreund mit Faltboot fotografiere, kommt er auf mich zu und fragt, ob ich der von "paddelsport.de" wäre. Nun ja, ich war es und er war Holger aus Berlin, der durch paddelsport.de auf diese Veranstaltung aufmerksam wurde. Da er schon mehrere Marathons gelaufen ist und auch schon am berühmten WASA-Lauf teilgemommen hatte, war diese Tour für ihn eine weitere sportliche Herausforderung.Abend in Meissen
Sonnenuntergang an der Elbe in Meissen

Nach der Tourbesprechung, die vom Fahrtenleiter Bernd Haberland vom KK Börde durchgeführt wurde, ist nur noch die Vorbereitung des Bootes und dann schon die Nachtruhe angesagt. Zuvor bewundern wir aber noch einen herrlichen Sonnenuntergang, bei dem sich die Elbe feuerrot einfärbt. Der erste Teil der Nachtruhe bis kurz nach 0 Uhr hat allerdings weniger mit "Ruhe" zu tun, da auf dem Nebengelände ca. 30 m von unserem Zelt entfernt der Sound- und Lichtcheck auf einer Großbühne durchgeführt wurde. Aber es war trotzdem erträglich. Um 4 Uhr ist für mich die Nacht zu Ende. Waschen, mit Petra Zelt abbauen und im Auto verstauen, ein kleines Frühstück mit Kaffee, ein wenig Gymnastik und rein in den "Merlin". Um 5:15 Uhr fahre ich bei km 81 in Meißen ab.

Wie immer ist früh die schönste Zeit zum Paddeln. Alles ist noch still, die Elbe spiegelglatt, die Luft sauber und frisch. Mir geht es richtig gut und ich habe den Eindruck, ich könnte an diesem Tag auch 200 km paddeln. Aus früheren MMMM aber weiß ich, dass diese Euphorie mit der Anzahl der gepaddelten km abnimmt und vor dem Ziel schon unter Null sein würde.

Friedrich und Hero
Friedrich und Hero aus Rotenburg/Wümme

Vor mir fahren in Sichtweite nur die zwei Boote aus Rotenburg/Wümme mit Friedrich (bereits das 14. Mal beim MMMM dabei !!!) und Hero. Als ein natürliches "Morgenbedürfnis" sie zu einer kurzen Pause zwingt, überhole ich sie und war in Riesa bei km 109 der erste Paddler, den der "Landbegleitzug" gegrüßen kann. Offiziell besteht die Landbegleitung aus Christel und Norbert vom KK Börde und ganz wichtig, aus Volkmar, Arzt und aktives Mitglied der SG Kanu Meißen. Petra hat sich dazugesellt. An jedem der "Kontrollpunkte" werden die Teilnehmer aus Sicherheitsgründen abgezählt. Erst nach dem letzten Boot wird der nächste Punkt angefahren.

Hinter Strehla ab ca. km 120 beginnt eine Durststrecke von ca. 10 km. Landschaftlich gibt es nichts spektakuläres und ich paddle eben so langhin. Am km 121 kommt dann noch der "Nullkilometer", denn diesen Kilometer gibt es 1000m weiter gleich noch mal, diesmal als km 121A. Dies hat mit der früheren getrennten Kilometrierung durch Sachsen und Preussen zu tun. Der Fehler fiel erst später auf.

Langsam machen sich Sitzbeschwerden bemerkbar und das Bedürfnis, mal auszusteigen wächst mit jeder Minute. An einer schönen Sandbank bei km 131 mache ich die erste Rast nach 51 gepaddelten km. Mittlerweile ist es 9:30 Uhr, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Aus dem langgezogenen Feld der Paddler fahren einige an mir vorbei, wir sehen uns auf dieser langen Strecke nicht das letzte Mal. Nach ca. 10 min. steige ich wieder ein. Das Austeigen war unbedingt erforderlich, dennoch hat es diesmal für mich Nachteile: ich finde die richtige Sitzposition nicht wieder und hample mehrer Kilometer herum. Dabei fallen auch immer wieder die kleinen Handtücher runter, die ich zwischen die Knien und dem Süllrand rechts und links geklemmt habe. Der Süllrand ist beim "Merlin" recht scharf und ich bin von je her gewohnt, die Beine nicht zu strecken, sondern leichrt angewinkelt an den Süllrand zu legen, und das schmerzt halt bein längeren Fahrten ohne Polster.

Petra und ich in Torgau
Petra und ich in Torgau

Kurz vor Belgern macht die Elbe einen großen Bogen, so dass ich für kurze Zeit den Ostwind voll im Rücken habe, ein wunderschönes Paddeln. Aber kurz vor der Fähre, wo wieder die "Landbesatzung" bei km 140 die Teilnehmer zählt, ihnen gut zuredet und im Notfall zur Hilfe steht, kommt der leichte Wind schon wieder von der Seite. Mittlerweile habe ich eine Banane, ein Brötchen, etliches an Traubenzucker und 3 Flaschen ISO-Getränk zu mir genommen und es paddelt immer noch gut. Ab km 150 kommt Torgau in Sicht. Und wieder kommt das Gefühl, ich müßte mal aussteigen. Doch die paar Kilometer bis Torgau halte ich durch und nehme mit Petra´s Hilfe das Boot bei km 155 zur "Mittagspause" nach 76 gepaddelten km aus dem Wasser. Wir machen ein paar Erinnerungsfotos, Volkmar fotografiert Petra und mich einmal gemeinsam. Vom neuen Torgauer Bootshaus bin ich sehr positiv überrascht, ich kannte es noch aus früheren Tagen. Freundlich werden wir im Klubraum begrüßt. Es gibt Würstchen mit wahlweise Brot oder Erbsen.

Als ich nach ca. 30 min. wieder in das Boot einsteige, kommen immer noch Teilnehmer an. So auch Bernd, der anlegen und ich ablegen will. Dabei klinkt sich der Bernd
Bernd, der Fahrtenleiter
Karabinerhaken von Bernds Steuer in in meine vordere Trageschlaufe. Da wir beide im Boot sitzen, haben wir selbst keine Chance, die Verkettung zu lösen. Petra hilft uns. Bei strahlendem Sonnenschein mache ich mich auf die "letzten" 45 km. Langsam hört es auf zu Denken, "es" paddelt nur noch. Die frischen Gedanken vom Morgen sind weg. Die Arme und Schultern paddeln, der Kopf ist auf das Ziel in Elster ausgerichtet, die Sitzmuskeln fangen an rumzuzicken. Beim "Kontrollpunkt" Dommitzsch" bei km 173 ist Petra nicht dabei. Ich werde etwas nervös. Mittlerweile haben sich die Schmerzen beim Sitzen so verstärkt, das ich bei km 177, das sind 23 km vor dem Ziel, meine dritte Anlandung vornehme, wieder an einer wunderschönen Sandbank. Diesmal mache ich etwas mehr Gymnastik, ich bin halt keine 30 mehr. Und hier ist dann auch der Punkt, wo ich nicht mehr von 200 km am Tag reden will, eher vom Aufhören. Aber was sind schon restliche 23 km gegen die knapp 100 schon geschafften. Also einsteigen, Süllrandabpolsterung anlegen, Spritzdeck drauf und ab.

Kurz nach meiner kleinen Pause kommt mir eine voll beladene Schubeinheit entgegen. Dahinter sehe ich noch zwei größere Motorboote, die die Schubeinheit überholen wollen. Der Wasserstand ist ideal für volle Motorkraft voraus. Und es passiert, was ich nie vermutet hätte und auf der Elbe erst einmal in der Nähe von Hamburg erlebt habe: Wellenchaos. Die Wellen der Motorboote überlagern sich mit den Wellen der Schubeinheit, vom Ufer her brechen sie zurück, es ist ein Gewühl, wie es auf der Elbe selten zu erleben ist. Normaler Weise bin ich ein Fan von Wellen, besonders im Sommer, wenn es warm ist. Man fährt voll rein und genießt die pure Natur. 120 km gepaddelt
Nach 120 km in Elster bin ich vorerst nicht mehr der Fröhlichste
Doch diesmal, nach rund 100 gepaddelten km ist es einfach zu viel. Ich fluche vor mich hin und benutze Wörter, von denen ich gar nicht mehr wußte, dass ich sie kenne. Nach ca. 1 km habe ich es geschafft. Ich schaue zur Seite: ein Faltboot. Wohlauf und frisch hat mich Holger eingeholt. Er ist begeistert von der Fahrt, zumal es nur noch knapp 20 km bis Elster sind. Und schließlich geht es ja nicht um die Platzierung, sondern nur um das Ankommen. In Pretzsch wartet Petra auf mich, die inzwischen mit einer Biker-Gruppe über das Paddeln fachsimpelt. "Kannst Du noch, willst Du aussteigen?" Solche (dummen?) Fragen 15 km vor Elster. Ich fahre weiter. Auf den letzten Kilometern ist nicht nur das Sitzen eine Qual, jetzt fällt das Paddeln auch immer schwerer, und diesmal ist das Wetter ideal. Was bei dieser Veranstaltung bei Westwind abgeht, habe ich zwei Mal erlebt. Man möchte nur noch das Paddel wegwerfen, umfallen und hoffen, dass die Schmerzen nachlassen. Diesmal ist es sehr human. Nach elfeinhalb Stunden komme ich in Elster an. Einige sind schon da, so auch Friedrich und Hero. Beide machen aber nur eine kleine Verschaufpause, denn sie fahren dann noch 36 km weiter bis Coswig, wo sie mit ihrem alten Paddelkumpel Peter Klapproth (wie schon mehrere Jahre beim MMMM) verabredet sind. Übrigens: Peter ist Träger des DKV Globus-Abzeichens für über 40.000 gepaddelte km - das schaffe ich in diesem Leben nicht mehr.

In Elster also: Boot raus, Luken zum Lüften auf und ab unter die Dusche. Langsam kommen bei mir die positiven Lebensgeister wieder. Unter der Dusche treffe ich Nobert und will ihm von früheren MMMM-Erlebnissen ein paar Episoden erzählen, aber kaum habe ich mit einer Story angefangen, kommt: "kenne ich schon". Petra hatte auf der Begleittour alle unsere Erlebnisse breits ausführlich zum Besten gegeben. So verlasse ich frisch geduscht und ohne eigenen Diskussionsbeitrag den Duschraum. Nächstes Ziel: der Klubraum und ein frisches Bier. Hier läuft gerade wieder die Fußball-WM, aber das interessiert mich zu diesem Zeitpunkt weniger. Draussen sitzen bereits mehrere Sportfreunde. Hier erfahre ich auch von der Reparatur eines Lettmann Pacific, bei dem die interne Steueranlage kaputt gegangen war. Bei einem anderen Zweier war sogar ein Steuer abgebrochen.

Als die Kräfte wieder ausreichten, haben Petra und ich alles geordnet, das Boot aufgeladen und sind nach Hause (Roßlau) gefahren. Geplant ist, am nächsten Morgen so gegen 3:00 Uhr aufzustehen, den Einer zum Bootshaus zu bringen, den Zweier aufzuladen, nach Elster zu fahren und um 5:00 Uhr dort zur zweiten Etappe nach Magdeburg aufzubrechen.

Abfahrt in Roßlau
Petra bei der Abfahrt in Roßlau
Der grausame Wecker überrascht mich nicht, denn schon zwei Mal haben Petra und ich den MMMM auf diese Weise komplett absolviert. Diesmal aber ist alles anders. Obwohl die Bedingungen einmalig gut sind, bleibe ich aus "unerklärlichen Gründen" zwei Stnden länger liegen. Damit ist klar: "Merlin" im Bootshaus abladen, "Avalon" rausholen und ab Roßlau bei km 258 auf nach Magdeburg (66 km).

Bei strahlendem Sonnenschein treffen wir gegen 8:30 Uhr am Bootshaus auf 3 berliner Sportfreunde, die mit dem MMMM nichts zu tun haben, die nur ebenmal mit zwei aufblasbaren Fun-Booten nach Magdeburg paddeln und von dort mit dem Zug wieder zurück nach Roßlau zu ihren Autos wollen. Sie haben auch Blechbüchsen bei, um bei Welleneinschlag die Boote sofort ausschöpfen zu können.

Dessauer "Gropius" Kornhaus
Das Dessauer "Gropius" Kornhaus bei km 261

Elbterassen Brambach
Die Elbterassen in Brambach bei km 268
Da wir Zeit haben, paddeln wir gemächlich langhin, ich mache bei idealem Wetter einige Fotos vom Kornhaus in Dessau und von den Elbterassen in Brambach. Petra gefällt das nicht so, da das "Spaßpaddeln" sie (und mich auch) mehr anstengt, als das gleichmässige Paddeln langer Strecken. Als "Vorhut" treffen wir gegen 11:00 Uhr in Aken ein, wo sich die freundlichen Sportfreunde des Köthener Kanu Klubs auf die Teilnehmer des MMMM zur Mittagsverpflegung vorbereiten. Im Mittelpunkt steht aber bei unserer Ankunft zu dieser Zeit noch nicht der MMMM, sondern ein zerbrocherner Einer, der sich bei Hochwasser um einen Hindernis "gewickelt" hatte.

Nach der Weiterfahrt treffen wir noch auf Friedrich und Hero, die von Coswig kommen und in Aken noch keinen Zwischenstop machen wollen. Bei besten Bedingungen mit leichtem (Ost) Rückenwind paddeln wir durch das Zentrum des Biosphärenresavats "Mittlere Elbe". Bei schönem Wetter ist die ca. 4 km schnurgerade verlaufene Elbe hinter Stekby ein Pur-Natur-Erlebnis, bei Westwind ist es eine Qual, die man wohl nie wieder vergisst.

MS Fluvius
Die MS Fluvius begegnet uns bei km 285 kurz vor Breitenhagen




Kurz vor Breitenhagen bei km 285 kommt uns ein holländisches Schiff entgegen. Es ist die MS "Fluvius", ein Fahrgastschiff, das derzeit für Phoenix Reisen Bonn unterwegs ist. Mit 4-5 Besatzungsmitgliedern und bis zu 38 Passagieren besitzt es ein recht familiäres Flair. Für uns Paddler allerdings durch den relativ großen Tiefgang und der recht hohen Motorleistung ein wenig problematisch. Petra schließt vorsichtshalber das vordere Spritzdeck, ich schieße in meiner Einfalt noch ein Foto, bevor ich etwas nervös werde. Die Elbe zeigt sich mal wieder in wildester Form und Petra taucht mal wieder ein. Die Elbe braucht 2 km, um sich zu beruhigen. Kurz hinter der Saalemündung machen wir eine Pause mit Anlandung und Aussteigen an einer schönen Sandbank.

Hinter Barby kommt viel Wasser. Man paddelt und paddelt, und die Schornsteine, die wir bei km 295 passiert haben, sind uns bei km 302 nach einem riesen Elbbogen immer noch so nah, als ob wir 30 min. nicht gepaddelt wären. Als wir aber bei km 301 die Einfahrt zum Pretziener Wehr passieren, sind wir doch von dem enormen Lärm erschüttert: 4 wilde Jet-Ski-Fahrer toben aus dem eigentlich sehr ruhigen Pretziener Elbabzweig heraus. Bald sind sie aber nicht mehr zu hören und wir kämpfen uns durch den 6 km langen Bogen, bevor Schönebeck in Sicht kommt. Jetzt sind wir im Magdeburger Motorsportgebiet. Auf den letzten 15 km werden wir von motorisierten Wasserfahrzeugen aller Art begleitet. Langsam stellen sich bei mir aber auch wieder die Sitzbeschwerden ein, obwohl ich gegenüber den "Komplettfahrern" in diesem Jahr 58 km eingespart und auch etwas länger geschlafen habe.

Angekommen - 243 km
Angekommen nach 243 km
Angekommen nach 243 km
Angekommen nach 243 km

Am Bootshaus des KK Börge in Magdeburg werden wir wie immer freundlich empfangen, Norbert hilft beim Boot raustragen. Duschen müssen wir nicht, denn eigentlich war der zweite Tag eine Sonntagsfahrt. Es gibt wieder Kaffee und Kuchen. Ich mache noch viele Fotos von den ankommenden Teilnehmern, helfe beim Raustragen der Boote und kann mit ihnen mitfühlen: ich kenne den Zustand nach 243 km. Aber ich weiß auch, wie schnell sich Körper und Geist erholen, denn es ist schon ein tolles Gefühl, diesen MMMM geschafft zu haben.


Wer diese Eindrücke bis zum Schluß gelesen hat und den MMMM noch nicht kennt, der ist sicherlich interessiert. Also dann:





Beim nächsten Mal selbst mitfahren.

Bis dahin alles Gute     Hagen.

 

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