Poel - Timmendorf


XIX. Kanuwanderfahrt "Rund um Poel"
19.-21.06.2009


Impressionen GPS-Aufzeichnung

(Persönlicher Bericht
mit kleiner Fotogalerie)

Route in Googel-Maps nach
GPS-Aufzeichnung (800x600 Pixel)

Vorbereitete Boote
Boote am Vorabend schon bereit

Schon die ganze Woche ab Montag sind für Petra und mich die meist aufgerufenen Informationen aus dem Internet: www.wetteronline.de für die Region Wismar. Da unser eigenes Boot noch nie Salzwasser gesehen hat, wollen wir erstmalig auf der Ostsee paddeln – Rund um Poel – organisiert vom Kanuverein der TSG Wismar. Wechselhaft, mit Schauer und Windstärke 4-5 lassen uns zögern. Also rufen wir am Freitagmittag bei Holger Steinhagen, dem verantwortlichen Organisator der Fahrt in Wismar an und erhalten eine aufmunternde Information: „ Kommt ruhig her. Wenn das Wetter nicht passt, gibt es auf jeden Fall Ausweichmöglichkeiten.“ Zwei Stunden später sitzen wir im Auto und machen uns auf die 340 km Richtung Norden zur Ostsee. Auf halber Strecke gibt es einen Platzregen, den wir uns auf dem Wasser nicht wünschen würden – wie man sich täuschen kann.

Auf dem Gelände des Kanuvereins in Wismar werden wir freundlich empfangen, bauen sofort unser Zelt auf. Wir kennen mehr Leute als wir zuvor dachten. Fleißige Helfer stehen schon am Grill und versorgen die Neuankömmlinge. Wir melden uns bei Holger an, bestellen unsere Brötchen für die folgenden Tage, zahlen unsere Startgebühr und erhalten als Erinnerung ein schönes bedrucktes Glas. Somit vergeht der Abend schnell, das Boot wird ein wenig vorbereitet und bald ist auch schon Schlafenszeit. So ganz gelingen kann es aber nicht, da in unmittelbarer Nähe, auf dem Gelände der Segler in einem großen Festzelt, eine Hochzeit stattfindet und die Band die Oldiekiste aufmacht.

Am Samstag findet dann die XIX. Kanuwanderfahrt „Rund um Poel“ (35 km) statt. Los geht es um 7:00 Uhr mit frischen Brötchen und Kaffee. Zur Fahrtenbesprechung um 9:15 Uhr wird zunächst ein Ständchen intoniert: Holger hat heute Geburtstag. Dann kommen die Sicherheitshinweise. Die Fahrtenroute wird wegen des Wetters auf „in Uhrzeigersinn“ festgelegt – im Gegensatz zu den letzten Poel-Fahrten. 9:45 Uhr geht es los: Frauen, Einer und Neulinge zuerst, 30 min. später die „Schnellen“.

Wismarer Bucht

 

 

 

Die Ostsee-Insel Poel ist mit 36 km² die siebtgrößte deutsche Insel (nach Rügen - 926 km², Usedom - 354 km², Fehmarn - 185 km², Sylt - 99 km², Föhr - 82 km², Pellworm - 37 km²). Sie liegt nördlich von Wismar in der Mecklenburger Bucht und begrenzt den Norden der Wismarer Bucht.

Wegen der strategisch günstigen Lage wurde bereits im Mittelalter um die Insel gestritten. Urkundlich erwähnt wurde die Insel erstmalig Jahr 1163. Mehrfach wurde die Insel verkauft, überfallen, zurückerobert. Im 15. Jahrhundert ging die Insel an Schweden. 1803 wurden die Rechte an Poel zunächst für 99 Jahre von Schweden "zurückgekauft". Da Schweden auf die Rückgabe verzichtete, gehört Poel seit jener Zeit zu Mecklenburg.

Bis vor ca. 250 Jahren konnte man die Insel nur mittels Fähre erreichen. Seitdem existiert in der Näher von Fährdorf eine Brücke.

Auf der Insel sind neben zahllosen Vogelarten u. a. Rehe, Hasen, Igel und Füchse beheimatet.

 


Unter Land
Die ersten Kilometer in der Wismarer Bucht Richtung Nordwest


Zunächst paddeln wir in der Wismarer Bucht in Richtung Nordwest. Nach ca. 4 km passieren wir rechterhand die Insel Walfisch. Sie ist seit 1990 ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet und wird von vielen Wasservögeln als Rast-, Übernachtungs- und Brutplatz genutzt.

Wir nähern uns der Eggers Wiek. Schon hier frischt der Wind auf, die Wellen sind für uns Elbe-Paddler schon recht interessant, aber keineswegs beängstigend. Zu beachten ist hier eigentlich nur die Fahrrinne der Schiffe, die wir erst nach ca. 5 km queren, um zum Nordwestufer von Poel zu gelangen. Es sind jetzt noch ca. 5 km bis Timmendorf, dem ersten kurzen Haltepunkt. Es kommt Freude auf. Wellen von der Seite, sauberes, nicht zu kaltes Wasser, Wind und Sonne. Petra und mir macht es riesigen Spaß, hier zu paddeln. Überall befinden sich die bunten Tupfer auf dem Wasser. In die Quere kann man sich hier kaum kommen, denn Platz ist hier genug. Kurz bevor wir Timmendorf Strand erreichen, passieren wir die Steilküste. Man erkennt gut, wie die Ostsee hier beständig Land "abgeknabbert".

Rast in Timmendorf
Kurze Rast in Timmendorf (westlichster Punkt von Poel)

In Timmendorf wird zur Komprimierung des Teilnehmerfeldes eine erste ganz kurze Rast eingelegt. Das Anlanden ist für uns zwar kein Problem, neu sind für uns allerdings die vielen großen, aus der Eiszeit stammenden Steine in Ufernähe, teils nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Also heißt es Steuer einziehen und achtgeben. Da das Wasser sehr sauber ist und die Brandung fehlt, ist bei etwas Vorsicht kein Auffahren zu befürchten.

Timmendorf Strand (nicht zu verwechseln mit der Gemeinde "Timmendorfer Strand" in Schleswig Holstein) liegt an der Westspitze der Insel Poel - Timmendorf selbst liegt ca. 1 km entfernt im Inland. 1995 wurde der alte Hafen von Timmendorf rekonstruiert und bietet nun Platz für Fischkutter, Segelyachten und Ausflugsschiffe. Hier steht auch einer der beide Leuchttürme von Poel.

Viel Zeit bleibt hier nicht – kurz Beine vertreten, einen kleinen Snack zur Stärkung und ein paar Fotos – dann geht es schon weiter. Vor uns liegen jetzt ca. 10 km „Außenküste“ in Richtung Nordost. Für uns eine beeindruckende Erfahrung: Wind mit Stärke 4, in Böen 5 schräg von hinten, Wellen die das Paddeln zum freudigen Erlebnis machen. Boote vor und neben uns sind mal ganz, mal nur teilweise oder gar nicht, dann nur die Oberkörper der Paddler zu sehen. Für gewohnheitsmäßige Großgewässerpaddler sicherlich nichts außergewöhnliches, für uns eine neue, beeindruckende Erfahrung. Nach einigen Kilometern werden die Wellen im Bereich des Strandes Schwarzer Busch ungemütlich. Es ist hier sehr flach und die Wellen beginnen zu brechen. Wir verlassen den ufernahen Bereich und paddeln problemlos weiter.

Auf der Ostsee
Freude am Paddeln auf der Ostsee nördlich Schwarzer Busch


Nach ca. 7 km kommt leichter Regen auf, der aber nicht weiter stört. Kurz vor dem Gollwitzer Strand wird es extrem flach. Auch hier liegen viele Eiszeit-Steine im Wasser, auf die man bei hochgezogenem Steuer achten muss. Gleichzeitig aber weht plötzlich der Wind recht stark und der Himmel öffnet alle Schleusen. Ohne Steuerunterstützung, bei Wind und Regen ist es gar nicht so einfach, hier ordentlich anzulanden. Wir schaffen es und bleiben wie alle anderen im Boot sitzen. Der Himmel wird schon heller und bald hört es auf zu regnen – und siehe da, die Sonne kommt sogar heraus. Damit ist zumindest das Innere des Bootes trocken geblieben. Trotzdem ist es unter der Paddeljacke feucht. Einige der Teilnehmer, so auch ich, ziehen sich um – ein schönes, warmes, trockenes Gefühl.

Wir befinden uns an der nordöstlichen Spitze von Poel. Gegenüber befindet sich die kleine Insel Langenwerder, ebenfalls wie die Insel Walfisch ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Das Betreten der Insel und den dazu gehörenden Sandbänken ist nur in Begleitung eines Vogelwärtes gestattet.

Hier am Gollwitzer Strand bleibt etwas mehr Zeit. Wegen des Wetters ist der Strand leer, nur die 80 Boote und 115 Kanuten sind hier. Einige neugierige Gucker sind natürlich auch da. Immerhin ist es beeindruckend, wenn so viele bunte Boote am Strand liegen. Die Atmosphäre ist ausgesprochen angenehm. Nach 30-40 min. geht es weiter. Wir titschen uns wieder ganz vorsichtig durch das flache Wasser und verlassen die offene Ostsee.

Gollwitz
Am Gollwitzer Strand (nordöstlichster Punkt von Poel)

Es geht jetzt in Richtung Südwest. Wir paddeln zunächst durch die Zaufe, dann durch den Breitling zur Fährdorf-Brücke. Das Feld zieht sich weit auseinander. Wellengang gibt es hier nicht mehr. Nach ca. 8 km erreichen wir die Fährdorf-Brücke. Sie ist die einzige Brücke im Breitlingdamm, der Poel mit dem Festland verbindet. Kurz hinter der Brücke ist der letzte Sammelpunkt. Einige Paddler steigen wieder aus, viele bleiben gleich im Boot. Ein paar Jugendliche probieren aus, ob der Zaun am Wasser nur so aussieht, oder ob da wirklich Strom drin ist - es ist Strom drin !!! Nachdem alle Teilnehmer wieder beisammen sind, geht es bei Sonne auf die letzten 8 km zurück nach Wismar.

Letzte Rast an der Poel-Bruecke
Letzte Rast an der Fährdorf-Brücke

Holger hat vorgegeben, dass wir wegen des Windes nicht unter Land am östlichen Ufer zurückpaddeln, sondern uns zunächst westlich in Ufernähe zu Poel halten und auf den südlichsten Punkt der Insel zuhalten. Ab hier paddeln wir dann direkt durch die Wismarer Bucht zum Bootshaus. Dabei passieren wir wieder - in angemessenem Abstand - die Insel Walfisch. Es sind noch einmal ca. 6 km „offenes Wasser“ und der Himmel zieht sich langsam zu. Die riesige Halle der Wismarer Schiffswerft täuscht Nähe vor. Auch die Seebrücke Wendorf rückt nur langsam näher. Als wir endlich in deren Höhe sind, wird es immer dunkler. Petra und ich erreichen den Bootssteg, nehmen das Boot raus – freundliche Hilfe hatten wir dabei auch – und dann geschieht es: Regen, und was für einer! Ich mache schnell noch die Lukendeckel drauf und will noch helfen: aber klar – jetzt steigt keiner mehr aus. Wer noch im Boot sitzt, bleibt drin.

Als die Sonne 30 min. später wieder aus den Wolken hervor lugt, entsteht ein wunderschöner Regenbogen. Alle sind inzwischen an Land.

Ganz fleißige Helfer des Kanuvereins haben inzwischen den Grill angeworfen und es duftet schon nach frischen Steaks.

Abends findet die legendäre Fete statt. Es ist wie immer ein großer Erfolg – es ging bis kurz vor 5 Uhr. Leider waren Petra und ich nicht dabei. 35 km Ostsee haben eben nicht viel mit 35 km Elbe zu tun (außer bei starkem Westwind). Jeweils ein Bier und ein Kräuter, dann noch ein kleiner Fußmarsch zur großen Halle der Werft, und zufrieden ins „Bett“.

Fruehstueck
Eingedeckt nach der Kanuten-Party


8 Uhr am nächsten Morgen: die frischen Brötchen sind da, der Kaffee steht bereit, die Klubräume sind sauber, die Tische sind zum Frühstück eingedeckt – wie haben die Organisatoren das geschafft?

An dieser Stelle ein ganz großes Kompliment und Dankeschön an die Mitglieder des Wismarer Kanuvereins für die Organisation dieser Veranstaltung.

Die traditionelle Paddeltour am Sonntag nach Kirchdorf zum Fischbrötchenessen lassen wir entfallen. Da wir noch nie in Wismar waren, machen wir einen Abstecher in die wunderschöne Stadt. Wir besichtigen den Hafen, die Altstadt und vor allem: die Kirchen. Wismar hat drei gotische Bachsteinkirchen; St. Marien, St. Nikolai und St. Georgen. In St. Marien sehen wir uns den interessanten 3D-Kurzfilm mit „Bruno Backstein“ über die Geschichte des mittelalterlichen Handwerks und der Geschichte des Baues von St. Marien an. Wir besteigen den Turm von St. Marien und genießen einen wunderschönen Ausblick auf Wismar. Da die Filmvorführung und die sehr lehrreiche Führung auf den Turm kostenlos sind, spenden wir 10 € und „kaufen“ uns einen Backstein. Damit bleiben wir diesem Ort auf immer verbunden. – was auch die kleine Kauf-Urkunde aussagt, die wir bekommen. Als Abschluss probieren wir noch einen „Original Backfisch“ direkt am Hafen und fahren äußert zufrieden die 340 km wieder zurück nach Roßlau.



Wir waren gewiss nicht das letzte Mal in Wismar und nehmen uns vor, bei der XX.Poel-Rundfahrt wieder dabei zu sein.

 

Wertung: sehr empfehlenswert (Voraussetzungen in der Ausschreibung beachten !)


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