Kurort Rathen und Bastei


35. Winterelbefahrt 02.-03.02.2008

(Persönlicher Bericht mit kleiner Fotogalerie )            Impressionen


Als Petra und ich 1995 mit einigen Sportfreunden aus unserem Verein das erste Mal an der Dresdner Winterelbefahrt teilnahmen, waren wir so begeistert, dass wir es wiederholen wollten. Es hat ganze 13 Jahre gedauert, bis wir nach etlichen misslungenen Anläufen innerhalb des Vereins uns 2008 einfach allein auf den Weg machen. Und es war SPITZE!

Die Anreise ist gewöhnlich am Freitag zum Kanuverein Laubegast (KVL) in Dresden. Da dies aus beruflichen Gründen für uns nicht möglich war, stehen wir Samstag früh 4:15 Uhr auf und sind gegen 7:30 Uhr in Laubegast. Der Empfang ist sehr herzlich und wir legen unser Boot zu den anderen im Innenhof des Bootshausgeländes ab. Danach haben wir es erst in Bad Schandau wieder gesehen, denn alle Boote (43 stück) wurden von fleißigen Helfern des KVL verladen, am Sonntag früh zur Einstiegsstelle unterhalb des Bahnhofes Bad Schandau transportiert und dort am Ufer abgelegt. Danke!

Pumpspeicherwerk Niederwartha
Im Pumpspeicherwerk Niederwartha


Zuvor am Samstag findet wie gewöhnlich eine Wanderung statt. Normalerweise führt dieser Ausflug in das Elbsandsteingebirge, doch diesmal haben sich die Veranstalter etwas besonderes ausgedacht. Zunächst geht es zur Straßenbahn, hier wird das Tagesticket gelöst. Dabei tun sich kleine Gruppen zu mindestens 5 Sportlern zusammen, um in den Genuß der billigeren Gruppenkarten zu kommen. Also ab mit der Straßenbahn zum Bahnhof Niedersedlitz, dann mit der DB zum Dresdner Hauptbahnhof, dann Umsteigen und weiter bis Niederwartha. Hier bekommen wir erste Informationen von Horst, unserem "Reiseleiter" vom KVL.

Druckleitungen Niederwartha
Druckleitungen Niederwartha


Ein kleiner Spaziergang führt uns zunächst zum Pumpspeicherwerk (PSW) Niederwartha, das 1927 bis 1930 gebaut wurde und das erste seiner Art war, das ans Netz ging (im Wettlauf mit dem Pumpspeicherwerk Koepchenwerk / Ruhr). Ein ehemaliger Mitarbeiter vermittelt bei einem kurzen Dia-Vortrag sehr interessante Details. So erfahren wir vom Oberbecken (2,9 Mio. m³ Speicherraum, 30 ha Fläche), vom Unterbecken (2,5 Mio. m³ Speicherraum, 45 ha Fläche), von den drei Druckrohrleitungen, die auf einer Länge von 1.760 m eine Fallhöhe von 143 m überwinden, oben einen Durchmesser von 3,20 m und unten einen Durchmesser von 2,50 m haben. Auch dass die Türme auf halber Rohrleitungsstrecke "Wasserschlösser" heißen, nach oben offen sind und dem Druckausgleich dienen. Von den sechs installierten Maschinensätzen sind heute noch zwei "aktiv".

Dann bekommen wir alle weiße Schutzhelme verpasst und besichtigten in zwei Gruppen das Innenleben des E-Werkes. Während des Hochwassers 2002 stand die Maschinenhalle unter Wasser. Die Reparatur der Maschinen war aufwendig. Ende 2003 wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

35. Winterelbefahrt - Imbiss in Radebeul
Kleiner Imbiss am Elbufer in Radebeul


Nach der Besichtigung des PSW wandern wir über die Elbbrücke hinüber nach Radebeul. Hier gibt es am Elbufer eine Überraschung: Horst und einige seiner Helfer öffnen die Rucksäcke: Frühstück - Würstchen, Brötchen, Gurken, Käse am Stiel und ..... Wein.

Nach der Stärkung wandern wir duch Kötzschenbroda, vorbei an einer in den Fußweg eingelassenen Gedenktafel. Hier wird erinnert an die Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischne Sachsen und Schweden 1645, dem dann 1648 der "Westfälische Frieden" (Ende des 30-jährigen Krieges) folgte. Die Besichtigung der Friedenskirche in Radebeul/Kötzschenbroda, die man beim Paddeln auf der Elbe auch gut sehen kann, wird durch einen "historischen Abriss" einer Mitarbeiterin ergänzt.

Danach geht es in die Weinberge. Wir wandern zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, die man alle auch vom Boot aus gut sehen kann. Zunächst "erklimmen" wir den Aussichtpunkt am Radebeuler Wasserturm. Hier ist erstmalig ein Rundumblick über Dresden und die Elbe möglich. Gleich nebenan steht die Friedensburg. Trotz des trüben Wetters ist es imposant und Horst erzählt einiges über den Weinanbau in dieser Region.


Nachdem wir wieder auf halben Weg unten sind, entscheidet sich die Mehrheit der Wanderer, den Rückweg vorbei am Spitzhaus zu nehmen. So kommen wir in den sportlichen Genuß, die 397 Stufen der Spitzhaustreppe (auch Jahrestreppe oder Himmelstreppe) hinaufzusteigen. Diese bekannte Treppe wurde von Pöppelmann für August den Starken mit ursrünglich 365 Stufen entworfen. Gebaut wurde sie aber erst 1747-1750.

Spitzhaustreppe
Spitzhaustreppe - 397 Stufen

Oben angekommen, einige sind wirklich etwas ausser Puste, erwartet uns der Muschelpavillion. Als Rastpunkt mit Bänken ist er mit vielen Sprüchen über den Wein verziert.

Übrigens: für ganz Verwegene wird seit 2005 einmal jährlich der "Sächsische Mt. Everest Treppen-Marathon" veranstaltet: in einem Zeitfenster von 24 Std. wird die Treppe 100 mal auf und ab gelaufen (39.700 Stufen, Doppelmarathondistanz - 84,39 km , 8848 Höhenmeter !!!). Die ersten drei Mal (2005, 2006, 2007) hat immer der 1953 geborene Schweizer Kurt Hess, zuletzt in 14 Std. und 43 min. gewonnen.

Vom Muschelpavillion ist es nur ein Sprung bis zum Bismarckturm. Der 18 m hohe, 1907 erbaute Turm ist einer von 146 Bismark-Türmen, die heute noch in Deutschland existieren. Beim Paddeln auf der Elbe ist er deutlich zu sehen - ebenso ist die Aussicht von hier oben auf das Elbtal sehr empfehlenswert. Wenige Schritte weiter kommen zum Spitzhaus, nehmen einen Blick auf die Speise- und Getränkekarte ... und steigen wieder ab zur Straßenbahn, die uns zurück nach Laubegast bringt.




Einsetzen in Bad Schandau
Einsetzen in Bad Schandau


Nach der wohl verdienten Nachtruhe brechen wir bei Minusgraden gegen 8 Uhr auf zur Bahn und fahren nach Bad Schandau. Es ist ein Traumwetter. Wind aus Südost (also voll von hinten) und blauer Himmel. Gegen 10:30 Uhr erreichen wir unsere Boote am Elbufer. Es ist nicht mehr kalt und die Vorbereitungen zum Einsetzen gehen zügig voran. Endlich Paddeln. Handschuhe sind auf der gesamten Fahrt nicht nötig. Der Wasserstand ist optimal.

Zunächst passieren wir die zwei Brücken in Bad Schandau und sind dann mitten in der Sächsischen Schweiz. Wir passieren rechts den Lilienstein, dann links die Festung Königstein. Eine "wilde" Schubeinheit kann es gar nicht fassen, so viele Paddler, immerhin 75 Teilnehmer auf der Elbe zu sehen. Der Kapitän wird zunehmens nervöser und beglückt uns mit Beschimpfungen und Dauerhupen. Die meisten der Teilnehmer sind erfahrene Paddler, haben Sicherheitsschulungen hinter sich und wissen, wie sie sich auf der Elbe zu verhalten haben, aber das weiß der Führer der Schubeinheit wohl nicht, er ist halt übervorsichtig und will keinen überfahren.

Kurort Rathen
Kurort Rathen


Rechterhand passieren wir Rathen und den mächtigen Basteifelsen, bei diesem Wetter eine Augenweide. Man kann es gar nicht richtig beschreiben, man muß es einfach erlebt haben.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir Wehlen. Auch hier reger "Frühlingsbetrieb" im Winter. Danach macht die Elbe eine lange Rechtskurve und die Berge werden weniger. Bald erreichen wir Pirna mit seiner Promenade und verlassen das Gebirge.

Schloß Pillnitz
Schloß Pillnitz - kurz vor dem Ziel


















Der Dresdner Fernsehturm ist schon zu sehen und wir erreichen bald Pillnitz. Hunderte von Besuchern tummeln sich beiderseitig der Elbe, die Fähre ist voller fröhlicher Menschen und Pillnitz für diese Jahreszeit sehr gut besucht. Wir wollen gar nicht mehr weiterpaddeln. Der Wind und die Strömung schieben uns dem Ziel entgegen und wir bedauern, dass die Tour in wenigen Minuten schon zu Ende gehen soll.

KV Laubegast
Bootshaus Laubegast - Ende der Winterelbefahrt




Das Anlanden in Laubegast ist absolut problemlos und das Aufladen des Bootes auch kein Problem. Jetzt allerdings merken wir, dass der Wind, den wir auf der Elbe von hinten hatten, an Land doch empfindlich kühl ist. Um so schöner ist der Empfang im Bootshaus: aller Teilnehmer bekommen ein Stück Gegrilltes (Würstchen oder Steak) und ein Getränk (Tee oder Punsch). Es gibt live ausgedruckte Teilnehmer-Urkunden. Dazu hat jeder Teilnehmer eine Erinnerungstasse (Doppelwandige Wärmetasse) mit der Gravur "80 Jahre KVL - 35. Winterelbefahrt" erhalten.





Diese Fahrt wird sicherlich in sehr guter Erinnerung bleiben und den Veranstaltern sei nochmals gedankt für die freundliche Aufnahme der Teilnehmer und für die viele Arbeit, die sich die KVLer gemacht haben, um diese Veranstaltung so hervorragend durchzuführen.

 

Wertung: äußerst Empfehlenswert (nur das Wetter muss mitspielen - -> 2008 war es optimal)


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