Mittel-Elbe-Fahrt im März


24. Mittel-Elbe-Fahrt (MEF) Pretzsch - Roßlau
am 03. und 04. März 2007

(ein ganz persönlicher Bericht mit kleiner Fotogalerie )             Impressionen


 

Aufkleber
Aufkleber für die Teilnehmer

Die Frage war dieselbe wie in jedem Jahr: spielt das Wetter bei der 24. Mittel-Elbe-Fahrt von Pretzsch nach Roßlau für 2 Tagen mit? Im vorigen Jahr zur 23. MEF haben Petra und ich gekniffen. Das Auto war zugeschneit und die Kälte schreckte uns ab. Also sind wir gegen Mittag nur nach Gallin gefahren, haben ein paar "Eisbilder" von mutigen Paddlern geschossen und sind wieder nach Hause gefahren. In diesem Jahr sollte die Teilnahme aber gelingen.

Die Mittel-Elbe-Fahrt ist bereits ein kleiner Klassiker und hat in seinen 24 Jahren mittlerweile alles erlebt: Eis, Schnee, Sturm, Regen, Sonne, Frühlingswetter. Immer wieder schaffen es die Wittenberger Kanuten, viele Paddelbegeisterte zu diesem Event zu locken. In diesem Jahr sind es 85 Kanuten, die in ca. 55 Booten auf die Fahrt gehen. Und viele davon zum x-ten Mal. Die Paddler kommen teilweise von recht weit her: z. B. aus Augsburg, Donauwörth, Hamburg, Stralsund, Berlin oder Halle und natürlich von den Elbe-Vereinen wie Wittenberg, Elster, Coswig, Dessau oder Roßlau.

Mit den Auto in Pretzsch angekommen, zeigt sich ein sehr buntes Bild vieler Einer und Zweier. Etwas abseits haben die Wittenberger Sportfreunde zwei kleine Lagerfeuer angelegt, die etwas Wärme in den trüben, regnerischen Tag bringen. Zur Begrüßung gibt es Speckkuchen und ein warmes Getränk, ich entscheide mich für Kakao. Nach der traditionellen Begrüßung, die vom Sportfreund Peter Boost vorgenommen wird, geht es los am Elbe-km 184.5, mit dem Paddeln und mit dem Regen.

Pretzsch
Lagerfeuer und Speckkuchen in Pretzsch


Nach den ersten Paddelschlägen merke ich, dass ich viel zu warm angezogen bin. Früh waren es 2°C, jetzt 3-4°C, aber ich beginne zu schwitzen, wer hätte das gedacht. Anfangs mache ich noch das eine oder andere Foto, aber der Regen tut keinem optischen Gerät gut. Also geht es zunächst nach Elster (Elbe-km 200) und dann weiter bis nach Gallin (Elbe-km 205). Man überholt und wird selbst überholt und so habe ich kurz vor Elster ein nettes Gespräch mit einem Berliner "Zugvogel". Ich erfahre einiges über den Verein (Kanuclub Zugvogel Berlin e. V.) und deren Paddelgewohnheiten, über die vorrangig eingesetzten Bootstypen und darüber, dass es sich lohnt, die nördlichen Berliner Gewässer näher kennenzulernen. Sicherlich werde ich gemeinsam mit Petra diesem Verein einen Besuch abstatten (natürlich mit Boot).




In Gallin war nach 20 km die tratidionelle Mittagspause. In der Gaststätte "Zum Schiffchen" direkt am Elbufer ist wie seit einigen Jahren der große Saal für die Paddler reserviert (früher saßen wir öfter auch im kleinen vorderen Gaststättenraum).

Rezept
Erinnerungs-Rezept für die Teilnehmer der 24. MEF

Schon nach wenigen Minuten verwandelt sich der "Speisesaal" in eine Waschküche mit 100% Luftfeuchte. Alle Paddler haben das eine oder andere Kleidungsstück ausgezogen und zum Trocknen über die Stuhllehnen gehängt. Ich will von der Atmosphäre noch einige Fotos schießen, aber die Linse ist beschlagen und nach dem Putzen dauerte es nur wenige Sekunden, dann ist wieder ein Dunstfilm darauf entstanden. Nun gut, ich esse Spirelli mit Gulasch, andere ein großes Bauernfrühstück und die ganz Verwegenen ein riesiges Eisbein. Ebenso verschieden sind die Getränke: ich einen Tee, andere eine Brause oder ein kleines Bier und die Verwegenen 2-3 große Bier, teils mit "Verteiler" nach dem üppigen Essen.

Da mir die Luft im Saal im wahrsten Sinne des Wortes ausgeht, entscheide ich mich, weiterzupaddeln, obwohl 2 meiner Vereinskollegen noch am Essen und Trinken sind.

Ich ziehe einen Teil meiner Oberbekleidung gar nicht mehr an und über den Rest die nasse Paddeljacke - uhhhh. Der Wasserstand der Elbe ist für die MEF in diesem Jahr 1a: ein mittleres Hochwasser, die Buhnen überflutet, Anlandungsmöglichkeiten überall direkt an den Wiesenhängen. So ist es gar kein Problem in Gallin, wie auch in Wittenberg oder Coswig, das Boot über die Wiese ins Wasser zu ziehen und ohne Komplikationen und Angst vor nassen Füßen einzusteigen.

Wetterfest
Wetterfest in Wittenberg angekommen

Im Regen, der jetzt zeitweise Blasen auf der Elbe erzeugt, paddle ich nach Wittenberg. Vor und hinter mir jeweils ein kleiner Pulk Paddler im größeren Abstand. Bald ist Wittenberg in Sicht und dann ist da auch schon das Elbe-km-Schild 213, dem ersten Tagesziel. Ein freundlicher Paddler aus Augsburg zieht mich an Land und rutscht dabei auf dem glitschigen Gras aus, ohne sich allerding wehzutun. Dann geht alles automatisch: das Boot auf die Wiese ziehen, den Autoschlüssel hervorkramen, den Sitzlukendeckel aufziehen, die vorbereitete "Trocken-Sachen-Tüte" aus dem Auto holen und komplett bis auf das letzte Kleidungsstück in einem sauberen, warmen Duschraum umziehen. Geschafft.

Im Klubraum der Wittenberger Kanuten gibt es Kaffee und phantastischen Kuchen, und den Stempel fürs Fahrtenbuch. Für die Teilnehmer gibt es noch einen kleinen lustigen Aufkleber und ein original Wittenberger Speckkuchen-Rezept zur Erinnerung. Nach und nach trudeln immer mehr Boote ein, auch die Roßlauer Paddler, deren Gepäck sich in meinem Auto befindet, das wir am Morgen hier bereits abgestellt hatten. Nach der Zuteilung der Schlafräume kommt das leichte Abspannen. Für die Teilnehmer der 24. MEF ist am Abend wie in jedem Jahr eine kleine Veranstaltung organisiert. Im vorigen Lutherjahr zur 23. MEF wurde unter kompetenter Führung eine Kirche besichtigt, in diesem Jahr ist es eine Kabarettveranstaltung. Ich selbst nehme allerdings nicht daran teil, da ich mit meinem Einer (auf dem Auto) nach Roßlau fahre, um am nächsten Tag gemeinsam mit Petra die 45 km im Zweier von Wittenberg nach Roßlau zu paddeln.

Kyrill
Hier hat "Kyrill" gewütet
Der 2. Tag
Spitzenwetter am 2. Tag in Wittenberg

Der zweite Tag, der Sonntag, ein erfreulicher Tag. Früh gegen 7 Uhr: 2° C, keine Wolke am Himmel. Als die ersten Paddler in Wittenberg ablegen, steht die Sonne schon am blauen Himmel, der Dunst hat sich verzogen. Petra und ich sowie die anderen 5 Roßlauer Paddler legen um 8:45 Uhr ab. Kein Wind, nur Sonne, ca. 8°C, also: optimales Paddelwetter. Natur pur zieht an uns vorbei. Zunächst geht es nach Piesteritz, dann nach Griebo, wo sich die sogenannte "Grieboer Schweiz", ein kleiner Höhenzug am rechten Elbufer bei Elbe-km 229-230, befindet, und schließlich nach Coswig. Auf der gesamten Strecke sind viele Vögel zu beobachten, aber auch Radfahrer, die an der Elbe entlang radeln. Besonders bemerkenswert und erschreckend anzusehen sind allerdings die Nachwirkungen des "Kyrill" - überall abgeknickte und entwurzelte Bäume. In Coswig bei Elbe-km 236 erwarten uns bereits die Coswiger Kanuten. Sie haben ihren Klubraum mollig warm geheizt. Für eine kleine Stärkung ist gesorgt, die einen nutzen das Angebot "fest", die anderen wählen "flüssig". Einige der Paddler, die weit angereist sind, beenden hier die Fahrt und treten die Heimreise an, viele allerdings machen sich bei diesem idealen Paddelwetter auf die letzten 22 km bis Roßlau bei Elbe-km 258.

Vorbei an der Coswiger Fähre geht es weiter nach Vockerode, wo die A9 die Elbe überquert. Auf der gesamten Strecke von Coswig bis Roßlau sehen wir wieder viele Vögel.

Enten
Natur pur im Frühling

Besonders sind die Enten in Form, die zur Zeit vorwiegend paarweise herumfliegen: immer ein buntes "hübsches" Männchen mit schillerndem grünen Kopf und Hals und ein grau-braunes Weibchen. Wir beobachten Kormorane, Milane, Möven und beschließen, uns demnächst intensiver mit der Vogelwelt an der Elbe auseinanderzusetzen.

Rosslau-258
Ziel in Roßlau erreicht (Elbe-km 258)

In Roßlau kommen wir sehr zeitig an (kurz vor 14 Uhr). Vor uns sind bereits 3 Wittenberger Sportfreunde angelandet und packen Ihre Boote auf ihr Auto. Nachdem Petra und ich unser Boot im Bootshaus untergestellt haben, frage ich kurzum nach und habe Glück: Im Auto von Florian und Christian, die direkt zum Wittenberger Bootshaus wollen, ist ein Platz frei, und ich bin schneller als ich dachte an meinem abgestellten "Gepäcktransporter". Spannend und interessant wird es während der Fahrt, als Florian und Christian von ihrer "kleinen" Paddeltour 2004 erzählen: mit dem Einer (jeder in seinem!) von Wittenberg über Hamburg, Nord-Ostsee-Kanal, Ostsee, Wismar, Schweriner See, Dömitz und wieder die Elbe stromauf nach Wittenberg: 1.100 km in 21 Tagen - alle Achtung!!! (Nachzulesen im Kanumagazin 3/2006). In Wittenberg hole ich mir noch Informationen zur Teilnehmerzahl der 24. MEF und steige ins Auto.

Ich fahre zurück bei Musik von den Nighthawks (Metro Bar) - eine meiner Lieblingsmusiken beim Autofahren.


In Roßlau sind 3 meiner Paddelkollegen schon zu Hause, zwei sind noch da. Während unseres Abschlussplausches fahren die "Zugvögel" mit voll beladenem Hänger in Richtung Berlin ab: In melde einen unverbindlichen Besuch im Sommer an.

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